Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung. 

Meine Mutter war wohl gerade nicht da - sie war auch später nie für mich da. Als Schriftsteller ist das aber kein Problem ... man kann sich ja eine Mama ausdenken, für was gibt es die Phantasie.

Keine Phantasie war der 16. April 1952, ein winterlicher Mittwoch. Ich wurde also an einem Mittwoch, weit weg vom Freitag, geboren, in Frauenwald am Rennsteig im Thüringer Wald. Somit haben ich, Charly Chaplin und Joseph Aloisius Ratzinger, besser bekannt als Papst Benedikt XVI., am gleichen Tag Geburtstag. Von Charly übernahm ich seinen hintergründigen Humor, die Traurigkeit und den Watschelgang, vom Beni den Glauben, dass es besser ist, in den Hintergrund zu treten. 

Frauenwald, ein mystischer Geburtsort ganz oben im Schutz riesig gewachsener Bäume. Manchmal dunkel und düster.  Dort, wo Fidel Castro und Otto Grotewohl, der 1. Ministerpräsident der DDR, verkehrten. Meine Eltern betrieben das Tränkbachtal, damals ein Erholungsheim für Gewerkschafter und SED Funktionäre, heute ein Hotel.

Im Alter von zwei Jahren zogen meine Eltern nach Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt. Bald darauf verließ meine Mutter mit mir als Dreijährigen die damalige DDR, ihren Ehemann und dessen Kinder aus 1. Ehe. Über Weiden und Nürnberg ging es nach Neumarkt i.d. Opf., wo Mama hoch hinaus wollte und einen Fabrikanten heiratete, der das unerwünschte Kind notgedrungen adoptierte.

Ich fand erst später heraus, dass mein Stiefvater, der mich als Kind an Leib und Seele schwer misshandelte (immerhin hatte er für mich eine eigene Hundepeitsche reserviert), nicht mein leiblicher Vater war. Mit vier Jahren hilflos in einem einsamen Waldhaus ohne Nachbarn. Dieses Schicksal teilte ich mit einem kleinen Mädchen, das ebenfalls schutzlos die Einsamkeit in ihrem Waldviertel erdulden musste mitsamt den Schrecken jener Zeit, die vielen Kindern die Würde stahlen.

Ich kann mich an das Gesicht meines Kindermädchens aus dieser Zeit erinnern, aber nicht an das Gesicht meiner Mutter.

Schließlich schaffte ich es, über 50 Jahre alt zu werden, recherchierte meine Herkunft und fand meine Halbschwester in Berlin sowie das Grab meines Halbbruders, den meine Mutter geboren hatte und nicht zuließ, dass ihr durch ein Eisenbahnunglück schwerstverletzter Sohn (beide Beine wurden unterhalb der Knie abgetrennt) Kontakt zu ihr aufnehmen konnte. Ein beispielloses Familiendrama gehörte zur Vergangenheit meiner Mutter, die mir in all den Jahren die Wahrheit über ihr Leben verschwiegen hatte. So glaubte ich, ich sei in Weiden geboren, denn dort begannen meine ersten angenehmen Erinnerungen an eine sorgenfreie Kindheit, die nach der Wiederverheiratung meiner Mutter ein jähes Ende fand. Weiden aber ist mir geblieben. Die Stadt und die Umgebung animierte zu einigen Passagen, die ich in meinem ersten Thriller verarbeitete. Die Atmosphäre einer der schönsten Städte Bayerns begleitet seither mein Schaffen und entzündet Inspirationen für weitere geplante Projekte.

Mit neun Jahren kam ich ins Internat, besuchte das Mathematisch Naturwissenschaftliche Gymnasium in Berg am Starnberger See und später das Deutsche Gymnasium in Schwabach bei Nürnberg. Der Starnberger See spielt in all meinen Manuskripten immer eine Rolle, denn dort hatte ich die ersten Geschichten geschrieben, angeregt von einer strengen Deutschlehrerin, die der Auffassung war, eine EINS im Aufsatz habe noch nie ein Schüler bei ihr geschafft und sei auch nicht möglich. Ich schaffte es – mein letzter Aufsatz bei ihr wurde mit der Note EINS ausgezeichnet. Das Schreiben begleitete mich fortan mein ganzes Leben.

Mit 24 Jahren übernahm ich den metallverarbeitenden Betrieb der Eltern, den ich über acht Jahre führte und schließlich verkaufte. Als leitender Outsourcing Manager im Logistikbereich arbeitete ich 23 Jahre lang für namhafte Firmen wie Siemens, RWE u.v.m. und engagierte mich wirtschatspolitisch in verschiedenen Verbänden.

Im Januar 1990 gründete ich zusammen mit einer Handvoll engagierter Frauen und Männer den Pflege-und Adoptivelternvereins Neumarkt und Nürnberger Land. Später initiierte ich die Gründung des örtlichen Kinderschutzbund mit der Ehefrau eines prominenten Landtagsabgeordneten und späteren Landrats. Mein Engagement für Familien und vor allem Kinder resultiert aus dieser Zeit und so entstand auch die Idee zu dem Thriller „Badetage“.


Mit 53 Jahren stieg ich aus meinem Hauptberuf aus und widmete mich ganz dem Schreiben. Begleitet von meiner Musik, die ich selbst auf dem Konzertflügel fließen lasse und auf dem Keyboard orchestrieren kann. Ein Sohn und zwei Enkel (sieben und fünf Jahre alt) bilden auf der eigenen Bühne im Partykeller zuweilen ein musikalisches Quartett, wobei Metallica oder ACDC keine Fremdwörter für den Opa sind, während die Enkelin Helene Fischer präferiert.

Aus der Liebe zur klassischen Musik resultierte einst meine erste Kindergeschichte mit dem Titel „Die Schicksalssymphonie“ gleichlautend zu Beethovens Fünfter, die ich als Kind auf dem Klavier intonierte. Seither schreibe ich bevorzugt Geschichten über außergewöhnliche Schicksale, so auch in meinem Debütroman „Badetage“.

In der Schublade liegen noch über tausend Seiten Manuskripte und viele Ideen für Stoffe, die darauf warten, geschrieben zu werden. Mal sehen, wenn ich nicht zu faul bin ....